Article aus der Strasburger Zeitung "Der neue Elsässer" vom 24-03-1981

Wie viele Weissenburg gibt es auf der Welt ?

Obige Frage hat man sich. schon. oft gestellt. Nicht nur in unserem Wissembourg sondern auch die Bewohner anderer . Städte und Orte, die diesen hochklingenden Namen tragen. Schon als Schuljunge hatten wir vor nun 65 und mehr Jahren im Atlas in verschiedene Ländern, in Deutschland, Oesterreich, der Schweiz und Ungarn deren mehrere entdeckt.

Seitdem H. Dr. Günter W Zwanzig Oberbürgermeister in Weissenburg-Bayern ist, hat er sich als leidenschaftlicher Geschichtsfreund sehr aktiv darum bemüht, weitere Orte dieses Namens zu ermitteln. Natûrlich können sie sich, je nach Landesprache, nicht alle Weissenburg nennen. Unsere Stadtbezeichnung ist ja auch dem Französischen angepasst, ohne übersetzt zu sein. Wissembourg lässt sich auf französisch gut ausprechen, wenn auch die meisten Innerfranzosen nicht wissen was das "Wissen" vor dem "bourg" bedeutet. ..... Die um 1950 von europäischen Föderalisten gegründete Bewegung "Bourg blanc, Weisse Burg, The White Castle", die auf dem Wormberg, wo sich heute die Villa und das Gut des H. Elmar Wolf befinden, mit marikanischen Spenden eine europäische Hochschule errichten wollten - in Paris wurde das Vorhaben abgelehnt - war eine Ausnahme.

Ausser unserem Wissembourg waren uns seit langem mehrere Weissenburg im deutschen Sprachraum bekannt. Von Weissenburg in Bayern wusste man, dass es eine bedeutende Kreistadt sei. Aus dem schweizerischen Weissenburg, im bekannten Simmental, südlich des Thurnersees, im Berner Oberland, kam schon ab und zu die Trachtengruppe am Pfingstmontag nach Wissembourg. Es gab unter diesen drei Weissenburg schon oft Besuch und gegenbesuch. Am häufigsten sind die beziehungen und Begegnungen zwischen unserem Wissembourg und dem bayerischen Weissenburg. Oberbürgermeister Dr. Zwanzig war schon wiederholt mit Gruppen seiner Stadt auf dem Trachtenfest von Wissembourg und besichtigte mit Delegierten seiner Stadt hiesige Einrichtungen. Er war heir anlässlich des Besuches des Präsidenten der Republik, Mr Valéry Giscard d'Estaing, im Mai 1979, wie auch kürzlich, zur Einweihung des Kulturzentrufs. Ausserdem war vor kurzem eine Besuchergrupe aus Treuchtlingen bei Weissenburg im elsass. Eine starke Gruppe aus der dortige Gegend wirkte vor drei Wochen bei dem Karnavalzug in Wissembourg mit. Man sieht : da reissen die Beziehungen der Menschen gleichnamiger Städte nicht mehr ab. Und dem ist gut so, dass die Menschen verschiedener Länder sich kennen und schätzen lerner. Die Völkerverständigung muss ihre solidesten Fundamente und Pfeiler auf Freunschaft der Menschen aufbauen.

In der DDR (Ostdeutschland) gibt es laut Postleitzahlen drei Weissenburg : unter diesen ein solches bei Rudolstadt in Thüringen. Auf der Landkarte fanden wir einst ein Weissenburg in Westpreussen. Die polnische Botschaft gibt aber hierüber zur Zeit keine Auskunft. Ein Weissenburg gab es einst auch bei Rendsburg und Rastenburg in Ostpreussen. Wie das heute auf Russich heisst, ist uns nicht bekannt. Wir wissen indessen, dass die Stadt TILSIT, in der Napoleon I. im Jahre 1807 mit Zar Alexander I. eine Vertrag abgeschlossen hatte, heute Sowjetsk heisst.

Oberburgermeister Dr. Zwanzig ist in weitere Weissenburg vorgestossen. Er fand im Pielachtal in Niederöstereich eine Burgruine Weissenburg. Er stattete der heute 75000 Einwohner zählenden Stadt Stuhl-weissenburg in Ungarn, dem heutigen Székesvehérvar südlich Budapest, eine offizielle Visite ab. Er ermittelte auch das englische Weissenburg, Cichester in der Grafstadt Sussex.

Mehrere Weissenburg gibt es im slawischen Raum. Natürlich haben sie slavische Bezeichnungen. Beo, bio, bel und bjel heisst "weiss", grad und gorod bedeutet Burg. Beograd bezw. Belgrad, die Haupstadt Jugoslawien, Biograd na Moru in Dalmatien, also ebenfalls in Jugoslawien, und Bjelgorod in der östlichen Ukraine heissen auf deutsch überzetzt Weissenburg. Letztere Stadt, im Dreieck Charkow, Kursk, Woronesch am Don gelegen, weist sogenannte "Limes" (Stadt wall) auf. Dr. Zwanzig entdeckte ferner Beligrad-Mahala, ein Stadtteil von Istanbul, dem einstigen Konstantinopel, der in der zeit der türkischen Besetzung des Balkans von deportierten Bürgern aus Belgrad gegründet wurde.

Um vorerst in Europa zu bleiben, nennen wir zuerst die Weissenburg in Ländern mit Tochtersprachen des Lateinischen : Castelbianco in der Provinz Savona an der italienischen Riviera, zwischen Genua und San Remo, castelo Branco in Portugal, zwei kleine Orte gleichen Namens (Castelo Branco), der eine in der portugesischen Provinz Bragança, der andere auf den Azoreninseln. H. Dr Zwanzig schildert uns auch, wie das portugiesiche Weissenburg (Castel Branco) eine Stadt mit 20000 Einwohnern, die, wie Wissembourg, eine keltisch-römische Vergangenheit und im Wappen eine weisse Burg auf rotem Grund hat, entdeckt wurde. Die Anregung hierzu gab Frau Ute Bach, Enkelin des Offiziers, der 1918 den damaligen Capitaine Charles de Gaulle, unseren spâteren Präsidenten der Republik, der auf Wülzburg bei Weissenburg (Bayern) gefangener war, bewacht hatte. Dr. Zwanzig hat den Offizier Bach noch gekannt, der sich an den grossen Gefangenen gut errinnern konnte. Ach Alba Regia im heutigen Rumänien hiess einige Jahrhunderte Weissenburg.

Zum Schluss hinüber über den Ozean, nach Amerika. In den USA gibt es, wie jetzt ermittelt, White Castle und Blanchester im Staat Ohio. Auf dem südamerikanischen Subkontinent findet man, genau wie in Portugal, Castelo Branco in der Provinz Barania, in Brasilien.

Es gibt also in der Welt der Orte viele, die den schönen Namen Wissembourg mit der elsässischen Stadt teilen.

Ah


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